"Ulmer Anstöße" - Resulution vom Initiativtag Kirchenpädagogik in Ulm 2004

Diese "Ulmer Anstöße" sollen als Impuls vom Initiativtag am 8.5.04 in Ulm in die evangelische Landeskirche hinein wirken.
 
»Ulmer Anstöße« 8. Mai 2004
 
Einleitung

1.      Wir erleben ein wachsendes Interesse an Kirchenräumen bei Menschen innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinden.
Wir stoßen an, dass die Württembergische Landeskirche auf allen Ebenen die reiche Vielfalt und den immateriellen Wert ihrer Kirchengebäude verstärkt wahrnimmt und zu einem eigenständigen Thema kirchlicher Arbeit macht.

Gemeinwesen

2.      Wir erleben, dass sich unterschiedliche Interessen aus unterschiedlichen Bevölkerungsteilen mit dem Kirchengebäude verbinden. Während kirchliche Themen im öffentlichen Bewusstsein vielfach an den Rand rücken, stehen die Gebäude nach wie vor im Mittelpunkt und werden in ihrer Bedeutung auch von kirchenfernen Menschen wahrgenommen. Projekte wie die „Vesperkirchen“ setzen entsprechende Signale.
Wir stoßen an, dass die Potenziale des Kirchengebäudes für den missionarischen und diakonischen Gemeindeaufbau genutzt und gefördert werden. Kirchenpädagogik kann dazu anleiten, im Umgang mit dem Raum die Grundlagen der abendländischen Kultur bewusst zu machen und einen persönlichen Bezug zu den Inhalten des christlichen Glaubens zu finden.

Spiritualität

3.      Wir erleben, wie die kirchlichen Gebäude durch ihre Gestalt und Geschichte Menschen in Kontakt mit der Kirchengemeinde und dem Glauben bringen. Menschen kommen in Kirchenräume mit ihrer persönlichen Biographie, ihren darin wurzelnden religiösen Fragen und ihrer Suche nach Sinn. Die Andersartigkeit von Kirchenräumen kann dazu helfen, die Wirklichkeit des Transzendenten zu erahnen und für die erlebbare Gegenwart des Glaubens früherer Generationen aufmerksam zu werden. Projekte von „spirituellen Kirchenführungen“ bis zu „stillen Tagen im ehemaligen Kloster“ helfen Menschen bei ihrer Suche, bringen den christlichen Glauben neu zur Sprache und lassen ihn ein Stück weit erlebbar werden.
Wir stoßen an, dass die Potenziale des Kirchengebäudes für die spirituelle Begegnung der Menschen mit ihrem Glauben mehr genutzt werden und in den Gemeinden die Bedeutung des gottesdienstlichen Raumes für den geistlichen Gemeindeaufbau erkannt wird.

Kirchenöffnung

4.      Wir erleben, dass protestantische Kirchenräume außerhalb der Gottesdienstzeiten oft unzugänglich sind. Immer wieder bedauern Menschen dies und sehen darin auch eine nachteilige Signalwirkung für die evangelische Kirche. Gleichzeitig gibt es an etlichen Orten gute Erfahrungen mit Kirchenöffnungen bei großer ehrenamtlicher Bereitschaft zur Betreuung der geöffneten Kirche.
Wir stoßen an, dass die Gemeinden verlässliche Öffnungszeiten und Öffnungsadressen suchen und bekannt machen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich auf die Begleitung der Öffnung vorbereiten können durch ein Schulungsangebot. Wir stoßen an, dass die Landeskirche ein Programm fördert zur Kennzeichnung geöffneter Kirchen mit gemeinsamem Logo und Öffentlichkeitsarbeit.

Kirchenpädagogik

5.      Wir erleben, wie an vielen Orten Modelle kreativer Arbeit mit Kindern, Schülerinnen und Schülern, Konfirmandinnen und Konfirmanden zur Erschließung kirchlicher Räume und Inhalte entstanden und gerne aufgenommen worden sind. Zunehmend werden die Möglichkeiten der Kirchenpädagogik auch für Erwachsene entdeckt.
Wir stoßen an, dass die Kirchenpädagogik in den pädagogischen Aus- und Fortbildungen für Ehren- und Hauptamtliche in der Landeskirche zum selbstverständlichen Bestandteil wird. Eine kirchenpädagogische Ausbildung mit zertifiziertem Abschluss soll entwickelt werden. Die Erschließung der Kirchengebäude gehört in Bildungsprogramme von Schule und Gemeinde in allen Generationen.

Kunstberatung

6.      Wir erleben ein wachsendes Interesse an der qualitätvollen Gestaltung und Ausstattung von Kirchenräumen. Dies dokumentieren immer wieder hohe Spendenvolumen für kirchliche Kunst.
Die Landeskirche hat neben der Bauberatung auch die Stelle zur Kunstberatung eingerichtet.
Wir stoßen an, dass die qualitätvolle Gestaltung und Ausstattung von Kirchenräumen durch sorgfältige Planung, künstlerischen Wettbewerb und Offenheit in den Gemeinden gefördert wird. 

Arbeitskreis

7.      Wir erleben, dass die Gründung des „Arbeitskreises für Kirchenraum und Kirchenpädagogik“ in der evangelischen Landeskirche in Württemberg auf Interesse von Menschen aus unterschiedlichen Bereichen in und außerhalb kirchlicher Strukturen stößt, die an der Gestaltung dieses Themas mitwirken wollen oder die Angebote in diesem Bereich wahrnehmen wollen.
Wir stoßen an, dass der Arbeitskreis aus ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen mit der landeskirchlichen Bau- und Kunstberatung für die Landeskirche die kirchenpädagogische Arbeit koordiniert und Ausbildungsprogramme entwickelt. Für seine Arbeit benötigt er eine verlässliche Unterstützung aus kirchlichen Mitteln.

Verabschiedet: Plenum beim „Initiativtag Kirchenraum und Kirchenpädagogik“ in Ulm