Programm •
Text Resolution "Ulmer Anstöße" •
Grußwort Prälatin Wulz
Kirchen sind nicht nur historische Gebäude, sondern spirituelle Orte -
Initiativtag Kirchenpädagogik verabschiedet Ulmer Anstöße
„Wir erleben ein wachsendes Interesse an Kirchenräumen bei Menschen innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinden“, stellen die Ulmer Anstöße fest. Am Samstag, 8. Mai wurden sie von den rund 100 Teilnehmer/innen des Initiativtags „Kirchenraum – Kirchenpädagogik“ in Ulm verabschiedet, veranstaltet vom Arbeitskreis Kirchenraum und Kirchenpädagogik in der Württembergischen Landeskirche, in dem Vertreter verschiedener landeskirchlicher Einrichtungen und Gemeinden zusammenarbeiten.
Prälatin Gabriele Wulz stellte den Tag bei der Eröffnung im Ulmer Münster in den kirchen-politischen Zusammenhang: „Wenn die Umnutzung von Kirchengebäuden kein Tabu mehr darstellt, wenn in der Zeitung vom Verkauf von Kirchengebäuden zu lesen ist, dann wird das auf einmal wieder interessant. Und zwar so interessant, dass einem die Augen dafür aufgehen, welche Schätze Kirchenräume darstellen. Denn was bedroht ist, wird in seiner Bedeutung eben ganz anders, ganz neu wahrgenommen.“ Wir brauchen Häuser, „in denen ein anderer Geist und eine andere Geschichte präsent sind als die, die uns täglich umgeben“, betonte sie in ihrer Ansprache und gab damit das Startzeichen, diesen „anderen Geist“ durch kirchenpädagogische Übungen am eigenen Leib zu erleben: So konnte man etwa die Fenster der Bessemer Kapelle durch ein kleines Guckloch erkunden.
Im Hauptvortrag im Haus der Begegnung in Ulm hob Prof. Dr. Klaus Raschzok aus Neuendettelsau die Bedeutung der Kirchengebäude als „Spurenträger“ gottesdienstlichen Lebens und christlichen Glaubens hervor. Sie können für viele Menschen zur Brücke zur Gemeinschaft der Gemeinde, zum Glauben und auch zu Gott selbst werden, da sie identitätsstiftende Kraft haben und große spirituelle Potenziale in sich tragen. Raschzok forderte die Kirchengemeinden auf, ihre Kirchen nicht mehr nur als bau- und kunstgeschichtlich interessante Gebäude zu betrachten, sondern sie geistlich zu erschließen und so zu spirituell lebendigen, zukunftsorientierten Orten werden zu lassen. Der Kirchenpädagogik prophezeite er dabei zunehmende Bedeutung.
Am Nachmittag stellte der Arbeitskreis Kirchenraum und Kirchenpädagogik in verschiedenen Workshops neben neuen Methoden zur Erschließung von Kirchenräumen auch ein Modell für einen ökumenischen Ausbildungsgang zum Kirchenführer und –pädagogen vor.
Im Schlussplenum wurden dann die „Ulmer Anstöße“ mit großer Mehrheit angenommen. Sie regen eine verstärkte Wahrnehmung und Nutzung der vielfältigen Potenziale der Kirchenräume an, fordern die Öffnung der Kirchen für Besucher, die Einrichtung eines qualifizierten kirchenpädagogischen Ausbildungsgangs, sorgfältige künstlerische Ausstattung von Kirchenräumen und nicht zuletzt eine angemessene finanzielle Ausstattung dieses Arbeitsbereichs mit kirchlichen Mitteln.
Mit diesen sieben Anstößen positioniert sich der Landeskirchliche Arbeitskreis Kirchenraum und Kirchenpädagogik in der Öffentlichkeit. Wer Interesse hat, kann die Homepage besuchen:
www.kirche-raum-paedagogik.de.
Eva Schury, Pfarrerin, Stuttgart