
Kirchenpädagogik erschließt Räume neu
Vortrag von Prof. Dr. Christoph Markschies (
dokumentiert) in der Stiftskirche - Zertifikate für die ersten ausgebildeten Kirchenführer in der Evangelischen Landeskirche und der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Die noch junge Fachrichtung der Kirchenpädagogik hat derzeit auch in Württemberg ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte. Hörbar wurde das in den Grußworten von Oberkirchenrat Werner Baur und Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm beim Initiativtag mit der Verleihung der Zertifikate an die ersten ausgebildeten Kirchenführerinnen und Kirchenführer am Sonntag in der Stuttgarter Stiftskirche. Die Erfolgsgeschichte wurde aber auch deutlich daran, dass der Festredner Professor Dr. Christoph Markschies von der Humboldt Universität Berlin mehrfach auf die Bedeutung des Raumes und seiner bewussten Wahrnehmung für den christlichen Glauben hinwies (
Vortragstext ). Sichtbar wurde die Bedeutung auch durch das Grußwort von Dr. Barbara Lichtenthäler vom Ministerium für Kultus und Sport. Ein deutliches Signal ist der 120 Unterrichtseinheiten umfassende Kirchenführerkurs in kurzer Zeit in die vierte Auflage geht. Kein Wunder also, dass sich beim Initiativtag am Sonntag gut 200 Leute in der Stiftskirche versammelten.
Innovativ und einmalig in der EKD und im Bereich der deutschen katholischen Bischofskonfenrenz ist die ökumenische Kooperation in Württemberg, was zum einen den guten Kontakten und der Zusammenarbeit der Bildungswerke auf lokaler Ebene zu verdanken ist, seinen Ursprung aber auch in der von der Basis her entwickelten Arbeitsstruktur des AK Kirchenraum und Kirchenpädagogik" und der AG DenkMalBildung hat. Auf dieser Ebene gelang es, eine Vielzahl von Personen und Institutionen in die Durchführung des Ausbildungsgangs zu integrieren, mit dem Ziel einer Vertiefung der Kenntnisse von an den Kirchenräume und ihres Bedeutungsgehalt Interessierten und einer Qualifizierung ehren- und hauptamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kirchen in Württemberg.
Eindrücklich wurden die Ergebnisse dieser Bildungsarbeit beim gestrigen (zweiten) Initativtag Kirchenraum und Kirchenpädgogik auch öffentlich dokumentiert: Im Rahmen der Veranstaltung konnten den Absolventen der ersten AusbildungsKurse das Abschlusszertifikat übergeben werden. Die Würdigung nahmen und Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm und Oberkirchenrat Werner Bauer seitens der Diözese Rottenburg/Stuttgart und der Württembergischen Landeskirche vor. Frau Dr. Barbara Lichtenthäler vom Ministerium für Kultus und Sport überbracht eigens ein Grußwort und wies auf die Bedeutung unserer Kirchengebäude und dieser spezifischen Arbeit der kirchpädagogischen Ausbildung hin.
Einen gewichtigen und eindrücklichen inhaltlichen Akzent setzte der Beitrag von Prof. Dr. Christoph Markschies, Kirchenhistoriker und derzeit Präsident der Humboldtuniverstität Berlin, mit seinem Vortrag "Kirche im gotischen Raum".
Aus seiner protestantischen Perspektive, beginnend mit einem skeptische Argument, dass der Glaube im Vertrauen auf die Wahrheit des Evangeliums, den Räumen, in denen es zu Gehör gebracht wird, scheinbar einen geringen Stellenwert zuzudenken habe, wendete er erhellend und originell den Blick durchaus kritisch auf einen teils fragwürdigen und ignoranten Umgang mit dem überkommen Erbe unserer Kirchengebäude im evangelischen, ebenso aber oft auch im katholischen Bereich - nicht selten eben eine Verkennung und Missachtung dessen, was frühere Generation als sichtbares Zeugnis ihrer Glaubens geschaffen und uns hinterlassen haben. Den um den Kirchenraum Verantwortlichen steht es durchaus gut an, sensibler auf die Gleichnisfähigkeit der alten Kirchenräume zu achten. Der Beitrag schloss mit einem eindeutigen Plädoyer, die missionarische Dimension der Kirchenräume für die Gemeinde und die Öffentlichkeit wahrzunehmen und zu nutzen.
Musikalisch wurde der Nachmittag vom Stuttgarter Klangschalenkünstler Stefan Panzer umrahmt. Ein Nachmittag voller bewegender Eindrücke, auch im Erleben des Raumes der Stuttgarter Stiftskirche klang mit einem Stehempfang in der Unterkirche aus.
Text: Achim Meindel, Stuttgart